Die Kinderfeuerwehr-Treffen sollten in regelmäßigen Abständen nachmittags oder am
frühen Abend stattfinden. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass durch Erstellen eines
Jahres- bzw. Halbjahresplanes die thematische Auswahl gewährleistet und personelle
Betreuung ermöglicht wird. Die Dauer der Treffen, die gut vorzubereiten sind, sollte sich auf
maximal 60 Minuten beschränken (Ausnahme: Ausflüge, Besichtigungen), da aufgrund des
Alters der Kinder nur eine geringe maximale Konzentrationsdauer vorhanden ist. Eine Pause
von 5 bis 10 Minuten wäre nach ca. 25 bis 30 Minuten sinnvoll, da Kinder oft eine
Aufmerksamkeitslücke aufweisen sowie Durst oder Hunger signalisieren.
Die zu nutzenden Räumlichkeiten sind unter Berücksichtigung der jahreszeitlichen
Erfordernisse rechtzeitig zu reservieren. Hierbei ist gerade bei Gruppen, die auf Vereinsbasis
arbeiten, besonders zu beachten, dass sie die Abstimmung mit öffentlich-rechtlicher Seite bei
kommunalen Räumlichkeiten vornehmen.
Ein Betreuungsteam sollte sich aus Personen mit Fachkompetenz (erfahrene Mitglieder der
Einsatzabteilung bzw. Feuerwehrvereins) und Personen mit pädagogischen Erfahrung (z.B.
Erzieherinnen von Kindergärten, Eltern) zusammensetzen.
Das Mindest-Eintrittsalter der Kinder sollte auf 6 Jahre festgelegt werden. Eine
Beitrittserklärung mit den persönlichen Daten des Kindes und Kontaktdaten der Eltern sollte
von beiden Elternteilen unterschrieben werden. Der spätere Übergang zur Jugendfeuerwehr
soll nach der Vollendung des 10. Lebensjahres erfolgen und darf nicht zuvor vorgenommen
werden. In der Jugendfeuerwehr sollten diese Kinder anfangs eine spezielle Betreuung
erhalten.
Die Kinderfeuerwehr sollte eine eigene Abteilung in der Feuerwehr bilden. Der
Verantwortliche sollte einen Platz in den Entscheidungsgremien (Feuerwehrverein =
Vereinsvorstand, öffentlich-rechtl. Feuerwehr = Feuerwehr-/Wehrführerausschuss) erhalten.
Wenn dies aufgrund rechtlicher Gegebenheiten nicht zeitnah möglich ist, sollte diese Person
zumindest eine beratende Stimme eingeräumt werden. Bei starker Zunahme der
Kinderfeuerwehren ist die Notwendigkeit einer jeweiligen Vertretung auf allen Ebenen
(Gemeinde/Stadt, Kreis, Land) zu prüfen.
Die möglichen finanziellen Bedürfnisse für die Kinderfeuerwehr sollten rechtzeitig bedacht
und eine Lösung mit dem Träger abgesprochen werden. Hier darf keine Entscheidung zu
Lasten der Jugendfeuerwehr bzw. der Brandschutzerziehung erfolgen. Die Unterhaltung bzw.
Förderung der Kinderfeuerwehr ist eindeutig eine Förderung des Feuerwehrwesens und ist
damit mit den Hauptzwecken der Feuerwehrvereine vereinbar. Außerdem könnten bei
Vereinen die evtl. erhobenen Mitgliedsbeiträge der Kinder zweckgebunden verwendet
werden.
Eine eigene einheitliche Kleidung für die Kinderfeuerwehr wird nicht angestrebt. Allerdings
kann mit T-Shirts o.ä. ein positives Gemeinschaftsgefühl geschaffen werden.

Themen und Inhalte der Treffen
Die Themen und Inhalte der Treffen der Kinderfeuerwehr sind grundsätzlich an den
festgelegten Zielen zu orientieren. Diese können sinnvoller Weise in die Förderung der
„Fachkompetenzen“, Förderung der „Sozialkompetenzen“ und „Allgemeine
Freizeitbeschäftigung für Kinder“ unterteilt werden. Nachstehend einige Beispiele:

Förderung der „Fachkompetenzen

• Notruf 112
• Verhalten im Brandfall
• Verhalten bei Gefahr (allgemein)
• Feuerwehr allgemein (Schadenfeuer/Nutzfeuer)
• Umgang mit Zündmittel und brennbaren Materialien
• Verkehrserziehung (mit Polizei)
• Kleine Erste Hilfe für Kinder (evtl. mit Hilfsorganisationen)
• Umgang mit dem Element „Wasser“, Baderegeln (evtl. mit DLRG)

Förderung der „Sozialkompetenzen“

• Sport und Bewegung (Motorik)
• Stärkung des Selbstwertes und Ängste nehmen
• Training des Sozialverhaltens
• Rollenspiele von Verhaltensregeln

Allgemeine Freizeitbeschäftigung für Kinder

• Spielen
• Basteln, Backen, Kochen
• Geschichten erzählen
• Ausflüge, Erlebniswanderungen
• Besuche (z.B. Feuerwehr, Rettungsdienst, THW, DLRG, Polizei, Rettungshundestaffel)
• Teilnahme an Umzügen als Gruppe

Grundsätzlich sollte berücksichtigt werden, dass mit pädagogischen Mitteln im Miteinander
und Spiel der Kinder Gefahren dargestellt und erkannt werden. Daraus können im Spiel oder
durch Basteln Problemlösungen und Wege gefunden werden, die den Kindern vorhandene
Ängste nehmen.
Bei den Treffen kann auch auf Hilfestellung durch Spielzeug zurückgegriffen werden.
Spielzeughersteller (z.B. Playmobil) bieten eine ausführliche Basis für den feuerwehrtechnischen Inhalt in Kinderfeuerwehren. Der Spielzeughersteller bietet ein breites
Spektrum an Spielhäuser, Fahrzeugen, Personen und Geräten, die sehr realitätsnah sind.
Hierdurch können spielerisch Tätigkeiten im Bereich Feuerwehrtechnik erklärt werden.
Arbeits- bzw. Unterrichtsmappen mit Bastelanleitungen, Liedern, Geschichten,
Rollenspielen und Versuchen werden von Verlagen (z.B. Verlag an der Ruhr – „Die Feuer-
Werkstatt“) angeboten.

Vorbereitungen vor Gründung

Vor der Gründung einer Kinderfeuerwehr sollten folgende vorbereitende Maßnahmen
getroffen werden:

• Akzeptanz schaffen (Kommune, Feuerwehrführung, Verein, Jugendfeuerwehr,
Brandschutzerziehung, Einsatzabteilung, Eltern)
• Klare Ziele festlegen
• In Struktur/Organisation d. öffentlich-rechtlicher Feuerwehr / Feuerwehrverein einbinden
• Mindest- und Höchstalter (evtl. Mitgliedsbeitrag) festlegen
• Terminplan mit Dauer, Themen und Inhalten erstellen
• Personelle Zusammensetzung Betreuungsteam (Schwerpunkt: Pädagogik) festlegen
• Räumliche, finanzielle Voraussetzungen schaffen
• Eltern informieren und einbeziehen
• Mit Öffentlichkeitsarbeit weitere Unterstützung gewinnen
• Für Versicherungsschutz sorgen und Haftungsfragen abklären

Ergänzende Hinweise:

Aus Sicherheitsgründen und zur Absicherung des Betreuerstamms ist es sinnvoll, eine Art
„Gesundheits-Check“ von den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten zu erbitten. In dieser
Checkliste sollten die Eltern neben evtl. Allergien oder besonderen Krankheiten auch den
letzten Termin der Tetanus-Impfung und evtl. auch Impfung gegen FSME (durch Zeckenbisse
übertragbar) eintragen. Somit könnte man einem evtl. Allergieschock durch Bienenstiche,
Lebensmittel, etc. entgegenwirken. Eine hinterlassene Telefonnummer (am Besten auch
Handynummern beider Elternteile) sollte als Kommunikationsmittel für die Zeit während der
Übungsstunden Pflicht der Eltern sein. Es sollte Pflicht des Betreuungspersonals sein, diese
ausführlichen Mitgliederunterlagen bei jedem Treffen dieser Gruppe mitzuführen. Im Notfall
kann schnell und vor allem richtig vom Betreuungspersonal gehandelt werden. Beim jedem
Treffen der Kinder sollte genau aufgelistet werden, welches Kind anwesend ist, damit später
kontrollierbar ist, ob auch alle Bambinis tatsächlich noch da sind (z.B. bei Spaziergängen,
Spielen auf Wiesen oder im Wald).
Wichtig ist es auch, kleine Regeln einzuführen. Diese erleichtern die Arbeit und den Umgang
mit den Kindern und zeigen auch, dass es ohne Regeln nicht geht. Beispiel: Zu Beginn der
Stunde treffen und auf Ruhe alle Kinder warten, bis man offiziell beginnt; Trillerpfeife pfeifen
bedeutet für die Kids, dass alle zurück zum Ausgangspunkt kommen müssen (Treffpunkt z.B.
bei Spielen auf Wiesen oder Spielplätzen), etc.
Es sollte eine formelle Eintrittserklärung geschaffen werden mit den persönlichen Daten,
Erreichbarkeiten sowie einem Passus (bei Kinderfeuerwehren mit öffentlich-rechtlichem
Anstrich), in der die Eltern ihr Einverständnis für die beitragsfreie Aufnahme der Kinder in die
jeweiligen Feuerwehrvereine und die Weitergabe der Daten erklären.

Ausblick

Eine durch das Innenministerium des Landes Hessen angekündigte Initiative zur Ergänzung
des HBKG soll im Sommer 2007 die Aufnahme von Kindern ab 6 Jahren in die öffentlichrechtliche
Feuerwehr ermöglichen. Hierdurch würden die vorstehend erwähnten
versicherungs- und haftungsrechtlichen Probleme gelöst werden.
Es haben sich in der Vergangenheit verschiedene Begriffe „Mini-Feuerwehr“, „Bambini-
Feuerwehr“, „Kinder-Feuerwehr“ entwickelt. Hier besteht die Notwendigkeit frühzeitig landes und bundesweit einen einheitlichen Begriff „Kinderfeuerwehr“ festzulegen und zu
verwenden.